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Homöopathie

   Klassische Homöopathie

Die Homöopathie ist eine besondere Form der Arzneibehandlung. Im Unterschied zu den meisten herkömmlichen Arzneien soll dabei aber nicht das Arzneimittel selbst der Krankheit entgegenwirken, sondern der Körper soll angeregt werden, die Störung durch eigene Gegenregulation zu beseitigen. Das homöopathische Arzneimittel überbringt dem Körper die Information, welche Gegenregulation einzuleiten ist. Ein ähnliches Prinzip wird z. B. auch bei Impfungen verwendet. Hahnemann, der Begründer der Homöopathie wurde auf diese Möglichkeit der Behandlung aufmerksam, als er zur Überprüfung einer Übersetzungsarbeit ein Arzneimittel gegen Malaria selbst einnahm und feststellte, dass es beim Gesunden genau die Symptome der Malaria auslösen konnte. Er schloss daraus, dass Arzneimittel die Symptome bei Kranken beseitigen können, die sie bei Gesunden auslösen. In weiteren Versuchen bestätigte sich diese Vermutung, allerdings waren die Arzneien zu diesem Zeitpunkt noch nicht homöopathisch verarbeitet und hatten erhebliche Nebenwirkungen. Bei Reduzierung der Dosis ließen die Nebenwirkungen nach, aber ebenso die heilende Kraft der Arznei. Aus diesem Dilemma fand Hahnemann dann einen Ausweg. Bei intensiver Vermischung des Arzneimittels, z. B. eines Pflanzensaftes, mit einer Trägersubstanz (Milchzucker oder Alkohol) ging die Information des Arzneimittels auf den Trägerstoff über. Entscheidend war nun nicht mehr der Wirkstoffgehalt der hergestellten Substanz, sondern die Intensität der Vermischung. Weitere Anwendungen zeigten, dass selbst bei sehr hoher
Verdünnung des ursprünglichen Arzneistoffs durch die mehrfache Vermischung die Arzneiinformation erhalten blieb. Die Nebenwirkungen wurden jedoch entsprechend reduziert.
Bis heute konnte nicht geklärt werden, in welcher physikalischen oder chemischen Form diese Information im Trägerstoff gespeichert ist. Die Homöopathie ist deshalb kein medizinisches Standardverfahren und ihre Wirkung wird zuweilen angezweifelt. Die Effekte homöopathischer Arzneien sind jedoch sehr deutlich zu beobachten und unterscheiden sich eindeutig von Placebowirkungen.

Die Wahl des Arzneimittels

Will man den Körper anleiten, eine bestimmte Störung zu beseitigen, so ist die genaue Art der Störung außerordentlich wichtig. Es gibt also nicht ein "Hustenmittel" oder ein "Grippemittel", sondern wichtig ist die individuelle Ausprägung der Symptome. Ist ein Kind von der Grippe geschwächt oder ist es trotz Fieber lebhaft? Ist der Husten trocken oder mit Auswurf verbunden, tagsüber oder nachts schlimmer? Das Arzneimittel muss exakt zu den Symptomen passen, bei länger andauernden Erkrankungen auch zum Persönlichkeitstyp. Aus diesem Grunde ist die Homöopathie ein ganzheitliches Verfahren, die Erfragung der genauen Symptome ist oft außerordentlich zeitaufwändig. Dies ist auch ein Grund, warum die Homöopathie sich nicht weiter verbreiten konnte.
Um Abhilfe zu schaffen, wurden Komplexmittel erzeugt, die die vier oder fünf häufigsten Arzneimittel für eine bestimmte Diagnose enthalten. Die Komplexhomöopathie ist in der Praxis besser anwendbar, die klassische Homöopathie führt jedoch bei komplizierteren Störungen oft zu besseren Erfolgen.

Die Behandlung

Ungewohnt ist bei der Behandlung, dass die Arzneien in der Regel selten und mit großem zeitlichem Abstand gegeben werden. Dem Körper wird dabei einmal die Information gegeben, welche Störung beseitigt werden soll und die weitere Reaktion des Körpers lauft nun ab, ohne dass die Information ständig wiederholt werden muss. Bei manchen Störungen und bei akuten Erkrankungen ist jedoch eine häufigere Gabe notwendig.
Die Effekte der Arzneimittel werden oft zuerst an die Veränderung unbewußter Funktionen wie Schlaf, Stuhlgang, Schwitzen usw. deutlich. In einzelnen Fällen kann es als Zeichen der in Gang gesetzten Körperregulation zu einer vorübergehenden Zunahme der Beschwerden kommen. Diese Erstreaktion kennt man auch von anderen Naturheilverfahren die die körpereigene Regulation zur Heilung nutzen.

Was ist zu beachten?

Die Wirkung der Arzneimittel kann durch Kaffee, Minze oder Kamille unterbrochen werden. Den Verzehr oder die Anwendung dieser Stoffe sollte man deshalb vermeiden.
Ebenso kann eine Bestrahlung (Röntgen, Szintigraphie) die Mittelwirkung unterbrechen. Wird eine Strahlenbehandlung notwendig, sollte der Arzt verständigt werden
Der Patient sollte sich über die Änderung seiner Beschwerden und über Veränderungen von Verdauung, Schlaf, Schweiß und Hauterscheinungen Notizen machen. Diese Veränderungen sind für das weitere Vorgehen wichtig.

Mögliche Einsatzgebiete

Notwendig für eine erfolgreiche Behandlung ist die Fähigkeit des Körpers zur Eigenregulation. Ist ein Körper zu geschwächt um noch zu reagieren oder ist eine Veränderung schon zu weit fortgeschritten, um noch rückgängig gemacht werden zu können, so kann auch die Homöopathie keine Heilung mehr bringen.
Der große Vorteil der Homöopathie ist die Tatsache, dass für die Arzneiwahl die individuellen Symptome des Patienten die Grundlage geben. Es kann daher auch eine Behandlung durchgeführt werden, wenn diagnostische Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder EKG (noch) keine Organveränderungen zeigen, der Patient aber trotzdem Beschwerden hat. Auch Veränderungen des Gemütszustandes. z.B. anhaltende Weinerlichkeit bei Kindern nach einem Schreck. sprechen gut auf homöopathische Arzneien an.
Die Homöopathie stellt daher eine gute Behandlungsmöglichkeit bei sogenannten funktionellen Erkrankungen dar.

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Dr. Dallinger

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